• Senioren Pflegeheim.

365 Tage der offenen Tür

Besucher willkommen – Philosophie des Miteinanders von Jung und Alt.

Wichtig ist für jeden im Seniorenheim Beschäftigten, egal welche Tätigkeit er ausübt und wo seine Aufgaben liegen, die Individualität des Einzelnen zu wahren. Das gilt nicht nur bei der medizinischen Betreuung oder körperlichen Pflege. Auch der Küchenchef Jürgen Spiegel versucht bei seiner Speiseplanung stets auf die Gegebenheiten, die auf das Wohl der älteren Menschen Einfluss haben, zu achten. So werden die Speisen nicht wochenlang im Voraus geplant. Es gibt eine Wochenübersicht mit drei verschiedenen Menüangeboten, die sich auch mal kurzfristig ändern lassen. Wie beispielsweise am vergangenen Mittwoch, als unverhofft eine große Menge frischer Spargel für das Mittagessen bereitstand. „Da warte ich doch nicht bis Sonntag, sondern serviere das Gemüse so frisch wie möglich.“ Erklärt Jürgen Spiegel sein Verständnis zum guten Essen, das er „seinen“ Leuten hier Tag für Tag anbieten möchte. „Manchmal kommt auch jemand von den Einwohnern mit alten Rezepten. Dann koch ich das eben auch mal, was es früher bei denen daheim so gab.“ Fügt er noch wie selbstverständlich hinzu.

Für diese Flexibilität und Bereitschaft lieben ihn die Einwohner des Seniorenheims heiß und innig, wie auch Burgunde und Jürgen Heel lachend bestätigen. Überhaupt ist jedem in dem großen Team der famliliäre, freundliche aber auch respektvolle Umgang miteinander sehr wichtig. Mit ein Grund, weshalb es in dieser Einrichtung keinen Tag der offenen Tür gibt. „Bei uns ist an 365 Tagen im Jahr Tag der offenen Tür. Jedermann ist willkommen, die Einrichtung zu besuchen und kann sehen, wie es hier zugeht.“ So Jürgen Heel. Besucher sind hier tatsächlich stets willkommen, so auch immer wieder die Kindergartenkinder aus Grebenhain oder Crainfeld, die die Einwohner gelegentlich mit Liedern und Aufführungen unterhalten.

Mit der Kombination Kinder und alte Menschen haben die beiden sympathischen Heimleiter stets gute Erfahrungen gemacht. Schließlich sind ja auch ihre beiden Töchter Lavinia (22) und Alea (18) praktisch mit im Heim aufgewachsen. Manchmal war es schon anstrengend für die junge Mutter, da sich jeder der Senioren irgendwie als „Oma“ oder „Opa“ der beiden Heel-Kinder fühlte. Da wollten dann halt mehr als fünfzig Menschen mit erziehen, oder eben gerade nicht, sondern lieber verwöhnen. „Unsere Senioren haben immer zu den Mädchen gehalten. Ich hatte da keinen Rückhalt. Die haben immer die Kinder in Schutz genommen.“ Berichtet Burgunde Heel lachend von ihren Erfahrungen mit so zahlreichen Großeltern. „Unsere Tochter Alea war damals 14, als sie sich einfach ihre Haare rot gefärbt hat. Ich war entsetzt. Furchtbar war das.“ Aber als sie dann das junge Mädchen den Einwohnern regelrecht vorführte, damit diese ihr als Mutter Recht gaben, hörte sie nur Kommentare wie „ach, das sieht doch aber ganz schick aus“. Kein Wunder also, dass die beiden mittlerweile erwachsenen Töchter auch heute noch gerne mit den Einwohnern zusammen sind. Die Weihnachtsfeier am 23. Dezember gemeinsam mit den Heimbewohnern würden sie sich auf keinen Fall entgehen lassen und schauen auch zwischendrin gerne mal rein. Zwar sind die „Omas“ und „Opas“ ihrer Kindertage längst verstorben, aber auch damit lernt man umzugehen.

„Die Menschen, die hierher kommen, sind zum Teil schon sehr alt und gebrechlich. Die meisten sind etwa fünf Jahre bei uns, bis sie sterben.“ Das Thema „Tod“ wird von der Einwohnerschaft jedoch übergangen. Darüber redet man nicht. Und wenn wieder einer weg ist aus der Mitte der Gemeinschaft, so wird es von den meisten der alten Menschen ignoriert. „Damit wollen sie nichts zu tun haben“, vermutet Jürgen Heel. Ihm geht der Tod eines alten Menschen auch nach so vielen Abschieden immer noch nahe, aber er hat auch gelernt, das Leben mit all seine Facetten zu akzeptieren. „Wir haben viel dazugelernt in den Jahren.“ Bestätigen die beiden. So auch die Tatsache, dass auch zwischen alten Männern und Frauen durchaus noch Freundschaft und Liebe entstehen können. Der Wunsch, sich ein Zimmer teilen zu dürfen, scheitert hier keineswegs an einer unflexiblen Heimleitung, sondern eher an der Uneinsichtigkeit der Angehörigen, die sich an dem späten Glück der Eltern nicht freuen können.

Doch meistens unterstützen die Angehörigen die Arbeit vor Ort und ein enges Miteinander zwischen Angehörigen und Heim ist von Seiten des Ehepaar Heels sehr erwünscht. So lassen sich dann auch mal Ausflüge in größeren Gruppen realisieren, wie beispielsweise in die „Scheuer“ nach Herbstein oder zum Bummeln in die Stadt.

Lauterbacher Anzeiger (ku) - 14.06.2008

 

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